Gefährdungsbeurteilung / Gefährdungsanalyse

Nach Vorschriften der Berufsgenossenschaft gelten folgende Bestimmungen:

§ 3   Beurteilung der Arbeitsbedingungen, Dokumentation, Auskunftspflichten

(1) Der Unternehmer hat durch eine Beurteilung der für die Versicherten mit ihrer Arbeit verbundenen Gefährdungen entsprechend […] zu ermitteln und welche Maßnahmen […] erforderlich sind.

(2) Der Unternehmer hat Gefährdungsbeurteilungen insbesondere dann zu überprüfen, wenn sich die betrieblichen Gegebenheiten hinsichtlich Sicherheit und Gesundheitsschutz verändert haben.

(3) Der Unternehmer hat entsprechend […] das Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung nach […], die von ihm festgelegten Maßnahmen und das Ergebnis ihrer Überprüfung zu dokumentieren.

(4) Der Unternehmer hat dem Unfallversicherungsträger alle Informationen über die im Betrieb getroffenen Maßnahmen des Arbeitsschutzes auf Wunsch zur Kenntnis zu geben.

(5) Für Personen, die in Unternehmen zur Hilfe bei Unglücksfällen oder im Zivilschutz unentgeltlich tätig werden, hat der Unternehmer, der für die vorgenannten Personen zuständig ist, Maßnahmen zu ergreifen, die denen nach Absatz 1 bis 4 gleichwertig sind.

[Auszug: Kompendium Arbeitsschutz, BG Verkehr, 10/2014]

Erfordernis einer Gefährdungsbeurteilung Erklärung Wieso wird eine Gefährdungsbeurteilung notwendig?
Wann muss eine Gefährdungsanalyse vom Unternehmen durchgeführt werden? Umgang mit gefährlichen Stoffen und Arbeitssituationen; Arbeitsstrukturen mit Gefahrenpotential und gegebener Unfallwahrscheinlichkeit Gesetzliche Grundlagen: §5 Arbeitsschutzgesetz BetrSichV; GefStoffV; PSA-BV; LasthandhabV; BildscharbV; BioStoffV; LärmVibrationsArbSchV; ArbStättV
Wie erfolgt die Dokumentation der Gefährdungsbeurteilung? Eine Dokumentation ist gesetzlich vorgeschrieben mit folgenden Inhalten: 1. Ergebnis der Beurteilung 2. festgelegte Maßnahmen und Zuständigkeit 3. Ergebnis der Überprüfung der Maßnahmen Gesetzliche Grundlagen: Arbeitsschutzgesetze und die dazugehörenden Rechtsverordnungen [s.o.]
Welchen Nutzen und Vorteile hat der Unternehmer aus der Gefährdungsbeurteilung? Die Beurteilung erfolgt nach einer Analyse: Wieso passieren Unfälle? Welches Leid ist damit verbunden? Welche Kosten entstehen? Welche rechtlichen Haftungen sind damit verbunden? Vorteile: Weniger Arbeitsunfälle/ Berufskrankheiten/ Ausfallzeiten/ Störzeiten im Arbeitsablauf/Reparaturkosten Erhöhte Mitarbeitermotivation/ Qualitätsverbesserung und Kostensenkungen als Ergebnis der Beurteilung
Wann ist eine Gefährdungsbeurteilung notwendig? Eine Beurteilung erfolgt immer als erste Beurteilung an einem bestehenden Arbeitsplatz. Der Arbeitsplatz muss in allen Aspekten analysiert und entsprechend des Gefahrenpotentials dokumentiert und gesichert werden. 1.Änderung von Verordnungen/Normen/Richtlinien 2. Neubau/Umbau von Betriebsanlagen u. Einrichtungen 3. Änderung der Nutzung von Betriebsanlagen 4. Anschaffung/Umrüstung von Arbeitsmitteln 5. Einführung neuer Arbeitsstoffe 6. Änderung Arbeitsorganisation/ Mitarbeiterstruktur 7. nach Arbeits-u. Beinaheunfällen 8. bei Verdacht auf Berufs- oder arbeitsbedingten Erkrankungen
Wer hat die Gefährdungsbeurteilung durchzuführen? Die Gefährdungsbeurteilung und die darin getroffenen Festlegungen geeigneter Maßnahmen, um Gefährdungen zu unterbinden, sind vom Unternehmen/Unternehmer durchzuführen. Er kann sich auch geeigneten anderen Personen bedienen bzw. beraten lassen. Der Unternehmer hat die Verpflichtung, ein Gefährdungsbeurteilung durchzuführen oder durchführen zu lassen, die sich aus den zuvor genannten Erfordernissen ergeben.
Wie ist die Vorgehensweise bei der Gefährdungsbeurteilung? Um die Analyse und die darauf aufbauende Beurteilung zu erstellen, ist es sinnvoll, die Arbeitssituation nach a) Arbeitsplätzen (stationär) b) Arbeitsabläufen zu trennen und die daraus resultierenden Gefahren zu ermitteln. a) nach stationären Arbeitsplätzen Arbeiten an Stationen/Maschinen/Montage/ Büro b) nach Arbeitsabläufen Abfallsammlung/Paketdienst/ Güterkraftverkehr/ dynamische Abläufe
Beurteilung der Gefährdung Eine Gefährdung kann nur dann konkretisiert werden, wenn eine Abschätzung des Gesundheitsrisikos vorgenommen werden kann. Nach Gesetzeslage ist eine Gefährdungsbeurteilung notwendig. Das zu ermittelnde Risiko für die Gesundheit kann mittels festgelegten Kennzahlen erfolgen: a) Risikokennzahl [R] b) Eintrittswahrscheinlichkeit [E] c) Schadensschwere [S] R = E x S Die Risikokennzahl erleichtert die Feststellung des Gefährdungsgrades.
Welche Maßnahmen sind erforderlich? Es sind immer dann Gesundheit erhaltende Maßnahmen notwendig, wenn eine Gefährdung konkret benannt werden kann oder von der man annehmen kann, dass sie vorhanden ist. Die Dokumentation erfolgt nach Feststellung. Grundlagen einer Beurteilung sind rechts dargestellt; vgl. auch „Wann ist eine Gefährdungsbeurteilung notwendig?“ Grundlagen können sein: a) Untersuchung Arbeitsplätze b) erkennbare Mängeln c) gesetzliche Vorschriften d) Vorgaben BG e) Unfallverhütungsvorschriften f) Grundsätze der Prävention Auch wenn eine Gefährdung als gering angesehen werden kann, ist eine Analyse und Beurteilung notwendig.
Fünf Schritte der Gefährdungsbeurteilung 1.) Betriebsorganisation beschreiben 2.) Arbeitsplätze und -abläufe erfassen 3.) Arbeitsplätze und -abläufe beschreiben 4.) Gefährdungen erkennen und beschreiben 5.) Gefährdungen beurteilen und Maßnahmen festlegen Mit dieser Vorgehensweise lernt der Unternehmer die Gefahrenpotentiale in seinem Unternehmen kennen und kann dafür Sorge tragen, nach gesetzlicher Grundlage (Arbeitsschutzgesetz, BG) die Gefahren für die Mitarbeiter zu unterbinden bzw. zu minimieren.

[Auszug: Sicherheits-Check; Handlungshilfe zur Gefährdungsbeurteilung, BG-Information 5161, 01/2013]

 

In der nachfolgenden Tabelle wird aufgezeigt, welchen Gefährdungen ein Mitarbeiter an einem Arbeitsplatz ausgesetzt sein kann.

Diese Gefährdungen sind für stationäre Arbeitsplätze ebenso vorhanden, wie auch für Arbeitsabläufe.

Welche Arten der Gefährdungen bestehen für Arbeitnehmer  
Arbeitsweg Darauf hat der Arbeitgeber i.d.R. keinen Einfluss, solange es sich um öffentliche Wege handelt. Intern können Arbeitswege definiert sein, die bei Kollision mit mehreren Verkehrsträgern entschärft werden müssen
Mechanische Gefährdungen a) Ungeschützt bewegte Maschinenteile b) Teile mit gefährlichen Oberflächen c) Bewegte Transport- und Arbeitsmittel d) unkontrolliert bewegte Teile e) stürzen, abstürzen, ausrutschen, stolpern, umknicken
Elektrische Gefährdungen a) elektrische Anlagen und Betriebsmitteln b) elektrische Freileitungen; andere spannungsführende Anlagen
Gefahrstoffe a) Diesel-u. Benzinemissionen, Asbest, Krebs erregende Stoffe b) Stäube, Flüssigkeiten, Gase c) Gefahrgut [vgl. Gefahrgutbeauftragter, gefährliche Abfälle, Sonderabfälle]
Biologische Arbeitsstoffe a) Gefährdungen durch Erreger; Mikroorganismen
Brand- und Explosionsgefährdungen a) Brandgefährdung b) Explosionsgefährdung c) Brandbekämpfung [vgl. Gefahrgutbeauftragter, gefährliche Abfälle, Sonderabfälle]
Thermische Gefährdung a) Kontakt mit heißen und kalten Oberflächen
Spezielle physikalische Einwirkungen a) Lärm b) Vibrationen auf den Körper einwirkend
Gefährdungen durch Bedingungen der Arbeitsumgebung a) Raumklima b) Witterungsbedingungen bei Arbeitsverrichtungen im Freien c) Beleuchtung, optische Signale, Bildschirmarbeit
Physische Belastung a) Körperhaltung b) Lastenhandhabung
Physische Belastungen a) Über- oder Unterforderung b) Probleme zwischen Kollegen c) fehlende Motivation zum Arbeitsschutz
Arbeitsschutzorganisation / sonst. Gefährdungen a) PSA b) Notfallmaßnahmen c) UVV- Unterweisung d) Betreuung Arbeitsmedizin und Sicherheit e) Gefährdungen durch Menschen, Pflanzen und Tiere

[Auszug: Sicherheits-Check; Handlungshilfe zur Gefährdungsbeurteilung, BG-Information 5161, 01/2013]

 

Desinteresse fördert Arbeitsunfälle. Gesund und sicher Arbeitsplatz? Zu oft Fehlanzeige

Aus den beiden oben erstellten Tabellen haben Sie nun eine gewisse Vorstellung darüber, welche Verantwortung Sie beim Führen eines Unternehmens haben, vor allem, wenn Arbeiten mit Gefahrenpotentialen ausgeführt werden.

Aus der Praxis erscheint es immer wieder befremdlich, dass Arbeitnehmer Tätigkeiten verrichten, ohne dafür entsprechend instruiert oder ausgerüstet zu sein.

Gerade dieser fehlende Aspekt der Arbeitssicherheit seitens der Unternehmensführung, fördert das Desinteresse der Arbeitnehmer, auf eigenen Gesundheitsschutz zu achten.

Da wird eben mal schnell zur Flex gegriffen, um ein Eisenteil zu bearbeiten, ohne das Anlegen eines Gehör- und Augenschutzes.

Da wird eine zu kurze Leiter an die Mauer angelegt und wundert sich letztendlich, dass der Arbeitnehmer abstürzt.

Sie können solches Fehlverhalten, hervorgerufen aufgrund Desinteresse und Unwissenheit, auf alle Arbeitsbereiche übertragen. Unabhängig davon, ob Sie im Bauwesen, Güterkraftverkehr oder Entsorgung tätig sind.

Unterlassen Sie eine entsprechende Gefährdungsbeurteilung mit entsprechenden Maßnahmen, um diese zu beseitigen, vernachlässigen Sie die UVV- Schulung oder kommt ein Mitarbeiter bzw. eine unbeteiligte dritte Person zu schaden, haften Sie, bis hin zu Ihrem Privatvermögen.

Nutzen Sie auch die Möglichkeiten „Gesund und sicher- Arbeitsplatz LKW“ Ihren Verpflichtungen nachzukommen.

Auch wenn es sich hier wiederholend anhört:

Der Mitarbeiter ist Ihr Humankapital- einen finanziellen Ausfall merken Sie auch schon daran, wenn „nur“ eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung aufgrund einer Grippe eingereicht wird. Stellen Sie sich vor, was passiert, wenn diese Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung aufgrund eines Arbeitsunfalles ausgestellt wird.